Mittwoch, 27. Februar 2013

Eierskandal - Dschungelcamp geschlossen

Pestizidrückstände jetzt auch in betrügerisch deklarierten Freiland-Kängurueiern und Kakerlaken gefunden.


Fiktionen und Fakten präsentiert im Folgenden eine Mitschrift der öffentlich-knechtlichen Talkshow „Hart aber quer“ zu diesem Thema.

Moderation: 
Anne-May Willner

Gäste:
Uwe Döllmer, Gebührenzahler
Else Eiger-Nordwand, Bundesministerin für Verdauungssicherheit
Michaela Schläfer, Feministin
Peter Schmoll-Retour, Fremdenlegionär
Rainer Schwesterle, Beutelexperte
Helmut Schnauze, Altkanzler

Willner:
Erst Wetten dass in der Krise und jetzt: kein Dschungelcamp mehr. Was ist da los? Die Zuschauer daheim an den immer dunkler werdenden Bildschirmen haben ein Recht auf Transparenz, wie die Pilaten sagen. Da war irgendwas mit Freilandeiern, Frau Eiger-Nordwand, oder?

Eiger-Nordwand: 
Das Bundesministerium für Verdauungssicherheit sah sich leider gezwungen, das Dschungelcamp bis auf Weiteres zu schliessen, weil sowohl in Känguru-Eiern als auch in Kakerlaken, die in der Kantine serviert wurden, Pestizidrückstände in einer Konzentration gefunden wurden, die die Höchstmengen der EU-Richtlinien überschreiten.

Döllmer: 
Boah ey, in der EU gibt es Dschungel! Echt jetzt ey? Und ich dachte immer, das Dschungelcamp wäre auf Malle.

Schläfer: 
Igittigitt, hätte ich das gewusst! Uns hat man immer gesagt, die wären bio und aus Freilandhaltung.

Döllmer: 
Wie jetzt, nicht Freiland? Ich dachte Kakerlaken würden immer nur frei herumrennen.

Eiger-Nordwand: 
Ebent! Deshalb ja die Pestizide. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder frei herumlaufen könnte, wie er wollte!

Willner: 
Gut, aber die Kängurus?

Eiger-Nordwand: 
Kängurus brüten zwar grundsätzlich im Freien, können sich aber wegen der Insellage Australiens nur halbfrei bewegen.

Schwesterle: 
Ei, ei, ei - Frau Schläfer, habe ich Ihnen bereits gesagt, dass Ihre Sie-wissen-schon sehr gut in einen Kängurubeutel passen ... ohh ... ähh ... Tschulljung, ich wollte ja nichts mehr sagen.

Schmoll-Retour: 
Die Taliban werden sich niemals den EU-Lebensmittelrichtlinien beugen und eher ...

Willner: 
Würden Sie bitte beim Thema bleiben.

Schmoll-Retour: 
Die Interessen der ägyptischen Kängurueiermafia sind denen der australischen Kamelhöckerlobby pyramidal entgegengesetzt.

Willner: 
Na also, geht doch!

Schwesterle: 
Höcker? Hört, hört! Pyramiden ...

Willner:
(Unterbricht) Also Herr Schwesterle, bitte!

Döllmer: 
Und was ist mit den Bullenkötteln in Ickgehja?

Eiger-Nordwand: 
Die können machen was sie wollen, die Norweger, die sind ja nicht in der EU, ausserdem politisch stets superkorrekt.

Döllmer: 
Wahrscheinlich haben die halbfrei hoppelnden Kängurus vergiftete Kakerlaken gefressen - daher die versifften Eier.

Eiger-Nordwand: 
So isses!

Willner: 
Herr Bundeskanzler, wie wäre es mit einem Schlusswort?

Schnauze: 
(Zündet sich die fünfzehnte Mentholzigarette an) Wie ich damals in Mogadischu schon zu meinem Freund Ben Newski sagte: Kängurus und Kakerlaken passen einfach nicht zusammen, aber im Rahmen des APO-Doppelbeschusses sollten wir es doch wenigstens versuchen.

Willner: 
Apropos versuchen - Herr Bundeskanzler, könnten sie bitte EINMAL darauf verzichten, Ihre Mitmenschen mit Passivpestiziden zu vergiften!

Schnauze: 
Wieso Gift? Der Tabak ist aus Freilandhaltung und die Minze 100 Prozent bio. 

Dienstag, 26. Februar 2013

Neuer Lebensmittelskandal

Tierfleisch in Currywurst, Döner, Hamburger und Nürnberger entdeckt!


Stichproben aus 5 Currywürsten „á la Gerd“ in Hannover, 7 Dönern „mit alles“ in Kreuzberg, 3 Hamburgern „Doppelklopper“ in ebenda und 11 „Nürnberger“ Würstchen in Frankfurt haben einen Anfangsverdacht erhärtet: 

Deutscher Schnellfrass ist bundesweit mit Teilen toter Tiere kontaminiert.


Das Fleisch stammt von verendeten Pferden aus Rumänien, gemeuchelten Schweinen aus Güllereich, eingeschläferten Rindviechern aus Dötschland und geächteten, bzw. geschächteten Hammeln aus Halalistan und Koscheresien. Die Erzeuger, Händler und Verzehrer von Produkten der verseuchten Chargen sind aufgefordert, sich unverzüglich zur Keulung und Sonder-Entsorgung im Ministerium für Verbraucherschutz einzufinden.

Kurz nach Bekanntwerden dieses Skandals konnten unsere Reporter folgende Kommentare aufgebrachter Mitbürger aufzeichnen:

Uwe Döllmer, Normalverbraucher: 
„Auf nichts mehr kann man sich noch verlassen. Und ich dachte immer, die Imbissbude meines Vertrauens würde sich nicht mitschuldig machen an Massenmord, Kinderarbeit und Klimawandel.“

Claudia Grühn, Empörungsbeauftragte: 
„Da sieht man mal wieder was die Bush-Regierung anrichtet: Die Grosskonzerne machen was sie wollen. Dass die Moslemfeindlichkeit, die die Dönervergiftung signalisiert, nun auch noch um Hindu-, Franken- und Anglophilen-Feindlichkeit ergänzt wird, ist in diesem Zusammenhang eigentlich nur logisch. Wahrscheinlich wurden außerdem das Curry, das Salz, die Mayonnaise und der Ketchup nicht biologisch angebaut. Der/die VerbraucherIn ist wieder der/die/das OpferIn.“

Wolfgang Oberreit, Flughafenbetreiber: 
„Der Insulaner verliert die Ruhe nicht, der Insulaner mag kein Getue nicht. Wir lassen uns den Spass in Berlin nicht verderben! Über die Luftbrücke sind die Tierleichen jedenfalls nicht nach Berlin gelangt.“

Rainer Schwesterle, Trachtenexperte: 
„Ich sage gar nichts mehr zum Thema Fleisch. Obwohl: Doppelklopper - das hat was!“

Gregor Stasy, Geheimdienstinspektor: 
„Die Bratsicherheit Brasi wusste davon nichts. Und ich habe damit sowieso nichts zu tun. Diesbezügliche Dokumente sind erstunken und erlogen. Das ist doch nur eine Kampagne gegen Arbeitslose und Regierungsräte.“

Margot Kessmann, Oberhirtin ade:
„Warum denn gleich verdursten ... äh ... verwursten? Man hätte sich erstmal mit den Pferden an einen Tisch setzen und gemeinsam einen heben, ... äh ... beten sollen.“

Peter Knallmayer, Minister für Utopie: 
„Nun wird auch dem letzten Bürger klar, dass Braten der Energiewende abträglich ist. Ich, zum Beispiel, esse meinen Sonntagsbraten roh und energiesparend, mal abgesehen davon, dass ich sowieso niemanden habe, der mir das Fleisch zubereiten könnte.“

Valentin Seehofer, Vorsitzender des Interessenverbandes Weisswurst:
„Es hoasst bei uns unerbitterlich: Semmelnknödeln! Pferdenknödeln ka ma net sogn.“

Johannes Pomader, Enterhakenwart: 
„Ist mir doch wurscht was da drin ist, Hauptsache transparent!“

Alice Schwanzer, Entmannzipationsikone:
„Wenn da etwa auch noch Fleisch von Stuten, Säuen, Kühen oder Schafen gefunden wird, dann gnade Euch Göttin!“

Häuptling Seattle, Nachhaltigkeitsexperte: 
„Erst wenn Ihr das letzte Pferd aufgegessen habt, werdet Ihr merken, dass man auf Tofu nicht reiten kann.“

Samstag, 1. Dezember 2012

Klebrige Gesellschaftskünstler

Fiktion: Politiker vertreten die Interessen des Volkes

Fakt: Politiker vertreten zunehmend ihre eigenen Interessen auf Kosten des Volkes


Früher hieß es: Wer nichts wird, wird Wirt. Heute heißt es: Wer nichts kann, kann (Gesellschafts)Künstler, vulgo: Politikerdarsteller. In einer Zeit, in der sachlicher Tiefgang dem Publikum wenig, gleisnerische Oberfläche dem Stimmvieh viel bedeutet, präsentieren sich willig den Medien und damit uns zunehmend „Volksvertreter“ der dritten Art.

Volksvertreter der ersten Art: Überlebende brutaler Diktaturen. Sie kennen die Bedeutung und den Wert von Einigkeit und Recht und Freiheit. Deshalb kämpfen sie leidenschaftlich für deren Erhalt.

Volksvertreter der zweiten Art: Kenner von Armut, Aufbau und Schweiß. Sie wissen, dass der Strom nicht gratis aus der Steckdose perlt, die Milch nicht im Supermarkt gemolken wird, das Geld nicht auf Bäumen wächst und der Kuchen vor dem Verteilen gebacken werden muss. Deshalb kämpfen sie leidenschaftlich für die stetige Verbesserung von Bildung, Produktivität und solider Haushaltsführung.

Volksvertreter der dritten Art: Nutzniesser von Einigkeit und Recht und Freiheit, Aufbau und Schweiß. Sie glauben anscheinend dass das alles per se da ist, und man sich, dessen unbekümmert, auf schicke Modethemen aus der Peripherie gesellschaftlichen Wirkens konzentrieren kann. Politiker sein ist für den der dritten Art zum Haupt- wenn nicht ausschließlichen Broterwerb geworden; er muss also seine Hauptaufgabe darin sehen, gewählt und wiedergewählt zu werden. Dazu ist unbedingt nötig: Ständige und lärmende Präsenz in den Medien und die Konzentration aller Fähigkeiten und Kräfte auf parteiinterne Machtkämpfe.

Kommt es dann, wie es gelegentlich kommen muß, zum politischen Offenbarungseid: Wulff - Grossburgwedelgate, Ponader - Vorstandsschwurbel, Roth - Abstimmungsklatsche, Wowereit - FH-Willy-Brandt-Schutz-Skandal, kommt ein bisher unbekannter biologischer Klebstoff zum Einsatz, der nur im Falle Wulffs das Gesäß nicht am Sessel halten konnte. Die anderen genannten Gesellschafts-Künstler hingegen kleben weiterhin untrennbar an ihren lukrativen Thronen (bei Ponader noch ausbaubedürftig). Hier erhält der vielstrapazierte Begriff Nachhaltigkeit eine zusätzliche Bedeutung. 

Weiß vielleicht jemand einen Entkleber? Braucht nicht unbedingt biologisch zu sein - aber nachhaltig!                                         




Freitag, 19. Oktober 2012

Schiller und Goethe im schiefen Turm von PISA

Bürgschaft (nein, nicht schon wieder Griechenland) und Erlkönig wieder aktuell!


Die seit 68 selig in den oberen Etagen des Elfenbeinturms unverbesserlicher Kulturromantiker herumhartzenden deutschen Klassiker müssen im postpädagogischen Deutschland ihre alten Knochen noch einmal zusammenreißen. Sie müssen zur Rettung von Disziplin (igitt!) und Ordnung (bäh!) an mangelhaft fundierten Bildungseinrichtungen in diesem unserem PISA-Lande antreten. 

Wie das? Keine Angst, Goethe und Schiller bleiben immer noch weitgehend und nachhaltig (prima!) aus dem Bildungskanon deutscher Schulen verbannt, und das Auswendiglernen von Gedichten ist ja ohnehin sowas von gestern, dass heute nur noch wenige Lehrer es ernsthaft ihren Schülern zumuten. 

Etlichen Gliedern des deutschen Lehrkörpers scheint immer noch die schreckliche Wirkung deutscher Klassik, peinlich stockend vor feixenden Klassenkameraden vorgetragen, in den Knochen zu stecken. Warum also nicht den Schrecken instrumentalisieren? Denn: Was mich schreckt, lehrt auch dich das Fürchten! Getreu dieser Maxime setzen verzweifelte Lehrer, die des im Unterricht obwaltenden ohrenbetäubenden Lärms nicht mehr Herr werden können, die Titanen des deutschen Sturm und Drang als ultimatives Druckmittel ein*: Wer zu laut ist, muss zur Strafe (pfui!), bzw. Abschreckung (na, na!), oder Besinnung (genehmigt!) Schillers Bürgschaft, Goethes Erlkönig und dergleichen auswendig lernen (mindestens 3 Strophen). 

*Wie kürzlich an einer niedersächsischen Hauptschule geschehen.

Es gibt aber auch heute noch unerschrockene Kulturrevolutionäre, die sich nicht ins Bockshorn jagen lassen und altes Kulturgut respektlos nach ihrem Gutdünken umformen, wie das nachfolgende Beispiel zeigt:

Erlkönig 


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? 
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Wer gleitet so spät durch PISA-Wind?
Pädagogen sind´s - Angst vor dem Kind;
Sie dressier´n die Knaben ohne Erbarm´,
Sie fassen nicht an, sie machen´s mit Charme.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —

Mein Schüler, was ist, warum schweigst Du nicht? -
Siehst, Lehrer, du deinen Irrtum nicht?
Den alten Irrtum, bedeckt mit Reif?-
Mein Schüler, es ist ein Fortschrittsstreif. -

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ —

„Du liebes Kind, komm folge mir!
Pädagogische Spiele spiel´ ich mit dir;
Manch´ bunte Ideen durchziehn das Land,
Und flugs verschwurbeln uns den Verstand.“ -

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? —
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. —

Mein Lehrer, mein Lehrer, und merkest Du nicht,
Was Dein Irrtum mir in Wahrheit verspricht? -
Sei ruhig, halte die Klappe, mein Kind;
Den Sinn Deiner Worte verweht der Wind. -

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ —

„Willst, lauter Knabe Du nicht verstehn?
Meine Methoden lehren dich schweigen schön;
Meine Methoden führen dich sicher und fein
Und siegen im Ganzen und lullen dich ein.“ -

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? —
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. —

Herr Lehrer, Herr Lehrer, und fährst Du jetzt fort
Verschwindet Bildung an düsteren Ort. -
Mein Schüler, mein Schüler, ich weiß es genau:
Es scheinen die alten Verse so grau. -

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ —
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! —

„Du musst sie lernen, in Zwangs-Gestalt;
Und bist Du nicht willig, so lern´s mit Gewalt.“ -
Herr Lehrer, Herr Lehrer, jetzt kotzt es mich an!
Gedichte zu lernen - Zeit vertan! -

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Dem Lehrer gefällt´s, er denket geschwind:
Gedichte als Strafe erzieh´n jedes Kind; 
Erreicht Pensionierung mit Mühe und Not;
Die Lust auf Bildung im Schüler war tot.


Freitag, 10. August 2012

Stupor teutonicus

Olympiade: fade - schade?

Oder: Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen - besonders in der Party-Hauptstadt Berlin


Fiktionen: 


Die Deutschen sind pünktlich, strebsam, hilfsbereit, fleißig und zuverlässig (das könnte Dir wohl so passen, Ausland, südliches).

Fakten: 


Die Olympiade´12 zeigt dem „Ausland“ deutlich, was es von „uns“ denken soll. Einst führend in archaischen, jetzt aber in teutonischen Landen verpönten Disziplinen wie - Laufen, Schwimmen, Springen, Fussball, Zehn...äh...hüstel...Kampf (fast zensiert, die Redaktion), sind hier und heute stattdessen moderne Disziplinen angesagt - Zurückrudern, Umverteilen ohne Steuermann, Klimawandeln, Synchron-Denunzieren, Hyperventilieren, Angstscheißen, Energiewenden, Gleis- und Baumketten und, besonders erfolgreich ausgeübt (Sarrazin mal weghören!) - Dressur.

Diese Umorientierung hat notwendigerweise zur Folge, dass „wir“ bei der diesjährigen Olympiade im Medaillenspiegel nicht ganz vorne liegen, ja sogar noch hinter solch exotischen Ländern wie Südkorea und Grossbritannien rangieren.

Das soll uns aber nicht weiter betrüben, denn die Olympiade ist als solche ein skandalöser Anachronismus, weist sie doch klaffende Lücken im Gendermainstreaming auf, wie Beatrice Schwatzer, die ChefredakteurIn des bekannten Fachjournals für hormonelle Nivellierung „Minna“, enthüllte: In der olympischen Disziplin „Boxen“ stehen 250 angetretenen Athleten nur 36 AthletInnen gegenüber. Um das Mass voll zu machen, wird auch noch nach Geschlechtern getrennt gekämpft!

Ist doch sogar gut, wenn wir Olympia verpatzen, suggeriert uns ein gewisser Herr Kämmerlings von „Welt Online“, denn Medaillenspiegel seien etwas für Spießer und das Image der Deutschen würde längst nicht mehr von verbissenen Kraftbolzen, sondern von erfolgreichen Künstlern und wilden Berliner Partys geprägt.

Det isset! 

Also frisch, fromm, fröhlich, frei: Erst mit erfolgreichen Lebenskünstlern - subventioniert von Wowereit, bzw. den schwäbischen und bairischen Steuerknechten, die den kämmerlingsschen „urdeutschen Leistungsfetischisten in sich“ noch „nicht überwunden“ haben - die Dauerbaustelle Willy Brandt besichtigen und lamentieren, wie viel Theater man mit dem hier sinnlos weggeschmissenen Geld hätte finanzieren können. Dann, wenn die S-Bahn zufällig doch erscheinen sollte, hinein und ab ins Zentrum zu wilden Parties, bei denen es an Leder und Latex nicht mangelt. 

Jut Ausland, wa?

Samstag, 4. August 2012

Sozialer Patriotismus

Neue deutsche Gemeinsamkeit: 
Deutschland einig Vaterland -
Fiktion oder Fakt?

Oder: Was eint führenden deutschen Politiker und Lebensgefährten zurückgeruderter Ruderin?

Die fetten Euro-Jahre scheinen sich dem Ende zuzuneigen - die Transferansprüche an den produktiven Teil der mitteleuropäischen Bevölkerung jedoch nicht. Im Gegenteil: sie steigen mit der zunehmenden Verschärfung der Euro-Krise.
Krisenzeiten sind Wendezeiten. Solide etabliert geglaubte Wertsysteme verschwurbeln. Oberstes wird nach unten, Unterstes wird nach oben gekehrt. Vermeintlich längst Vergangenes wird plötzlich wieder aktuell. Neue unerwartete Bündnisse werden geschmiedet. Wenn nichts mehr geht, greift man gern zu bisher undenkbaren, ja unerlaubten Mitteln. Warum nicht auch in unserem katastrophenerprobten Vaterland?
Ein führender, vermutlich Wählerstimmen heischender, deutscher Sozialdemokrat verlangte kürzlich von den Wohlhabenden in Deutschland mehr „sozialen Patriotismus“ im Rahmen der zur Zeit grassierenden „Reichensteuer“debatte.
Etwa zeitgleich zieht sich eine erfolgreiche deutsche Ruderin „freiwillig“ von der Teilnahme an der Olympiade zurück, weil sie lebensgefährtenmäßig mit einem Neo“nazi“ liiert ist, diese Tatsache publik geworden ist und sogar den rigorosen Innenminister unseres Vaterlandes auf den Plan gerufen hat.

Nun, mit mathematischer Präzision, zu den Gemeinsamkeiten Führerverlangen/Lebensgefährte:

sozialer Patriotismus = Sozialpatriotismus; 
Sozialpatriotismus = patriotischer Sozialismus;
(patriotisch = national);
patriotischer Sozialismus = nationaler Sozialismus;
ergo: sozialer Patriotismus = (von der Zensur gestrichen) 
q.e.d.

(Anm. der Redaktion): Das Wort „Autobahn“ ist in diesem Beitrag nicht verwendet worden.

Dienstag, 12. Juni 2012

Wölfe und Nonnen - 5 vor 12

Fakten:


Wer außer Fussballergebnissen den Medien noch andere Neuigkeiten entnimmt, weiß schon seit Längerem: Nichts geht mehr! Rién ne va plus! Hatten wir lange - zu lange - geglaubt, am deutschen Wesen könne die Welt genesen, sehen wir uns jetzt eines Besseren belehrt.

Die Inder wollen partout keinen Müll trennen, sondern lassen ihre heiligen Kühe die weggeschmissenen Zeitungen wiederkäuen. Ihre IT-Experten denken nicht im Traum daran, im kalten Deutschland die klaffenden Pisa-Lücken zu stopfen. Die Chinesen pfeifen auf das Kyoto-Abkommen und blasen derart viel CO2 in die von Kuhfürzen ohnehin schon total versiffte Luft, dass den Klimaschützer bis vor kurzem eine enorme Verschmutzungslücke entgangen ist - in der Grössenordnung von Japans CO2 Emissionen. Apropos Japan: Die fahren doch tatsächlich ihre abgeschalteten Kernkraftwerke wieder hoch und denken überhaupt nicht daran, verstrahlt zu Boden zu sinken.

Deutscher Friedenssinn und Multikultitoleranz kann weder die Schengengrenzen überwinden, wie uns Talibane und Syrer zeigen, ja nicht einmal im Inland sich noch frei entfalten, siehe Salafisten. Lediglich die sauer verdienten EUROs des deutschen Steuerzahlers kennen keine Grenzen und strömen frei gen Süden, wo sie dann friedlich in schwarzen Löchern unwiederbringlich verschwinden. 


Fiktionen:


Die gute alte Tante „Zeit“ hat es endlich auch gemerkt und zieht daraus den Schluss: „Die Globalisierung überfordert uns“. Weiter: Die Welthandelsorganisation (WTO) mache seit über einer Dekade keine Fortschritte mehr. Der EU-Handelskommissar warne, in der WTO sei es „fünf vor zwölf“. Auch für die globale Umweltpolitik sehe es nicht besser aus. Ausserdem habe die internationale Finanzmarktkrise die Grenzen nationaler Regulierungssysteme deutlich gemacht und sei die EU durch die EURO-Krise an die Grenzen der Belastbarkeit gelangt.

Die mehrheitlich beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik beschäftigten Autoren des Zeit-Artikels nennen zwar einige Faktoren, die den aus ihrer Sicht desolaten Zustand der Globalisierungsbemühungen erklären könnten, als da wären: nationale Egoismen, Verteilungskonflikte und Machtspiele anstatt globaler Kooperation. Und, politisch inkorrektest: Dass Menschen egoistische Wesen seien, damit beschäftigt, ihre Eigeninteressen zu optimieren. Sofern Menschen dann doch kooperieren, nämlich in Staaten, gilt laut der „realistischen Schule der internationalen Beziehungen“, dass Staaten Akteure seien, die „in der anarchistischen Welt des internationalen Systems ihre nationalen Interessen zu maximieren trachten“. Wer hätte das gedacht?!

Und dann noch eins drauf, geradezu sarrazinesk, ein Zitat von dem „bekannten Publizisten David Brooks“, von 2007: "Der Informationsgehalt unserer Gene, die Beschaffenheit unserer Neuronen und die Lehre der Evolutionsbiologie – das alles lässt keinen Zweifel daran, dass die Natur von Konkurrenz und Interessenkonflikten bestimmt wird."

Da aber, gemäß dem in Deutschland gehuldigten Palmströmprinzip, nicht sein kann, was nicht sein darf "entspricht nicht dem Stand der Forschung", wird flugs aufgezeigt, dass laut „Evolutionsforscher Frans de Waal“ die Menschen „Herdentiere und sozialen Wesen“ sind, denn: „Als unsere Vorfahren einst die Wälder verließen und sich in eine offene und für sie gefährliche Welt begaben, wurden sie zur Beute und mussten zum Überleben eine Gemeinschaftsorientierung entwickeln“. Leider hat es dann anscheinend nur zur Staatenbildung gereicht, für eine anständige Globalisierung war man dann wohl doch zu egoistisch oder einfach zu doof. Die Schimpansen haben den ganzen Unsinn gar nicht erst mitgemacht, sind einfach im Wald geblieben und haben dort ihre Gemeinschaften gegründet, was aber nicht weniger gefährlich war - nachzulesen bei Jane Goodall und ähnlichen seriösen Werken der Primatenforschung.

Laut Verhaltensforscher Michael Tomasello vom Max-Planck-Institut sei die einzigartige Stellung der Menschen im Tierreich mit deren Kooperationsfähigkeit zu erklären, die im Prozess der Menschheitsgeschichte zu einem Anpassungsvorteil wurde. Im Falle des Scheiterns in signifikanter Größenordnung, käme es zu Kriegen und Krisen. Grundlagen gelingender Kooperation seien, laut Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom: Kommunikation, Vertrauen, Reputation, die Anpassung an gemeinsam entwickelte Regelwerke oder auch Instrumente zur Bestrafung opportunistischen Verhaltens.

Nun ist ja bekanntlich Kooperationsfähigkeit unter Befolgung der oben genannten Tugenden das Erfolgs- und Überlebensprinzip von z.B. Wolfsrudeln, Sklavenhalter-Gemeinschaften, Nonnenklöstern und Termitenstaaten. Auch die Cosa Nostra, der Vatikan, ein Bienenstock oder die chinesischen Triaden wären ohne diese Kooperationsfähigkeit aufgeschmissen. Was hat das aber mit der Globalisierung zu tun? Im Falle der Cosa Nostra und der chinesischen Triaden kann man sich zwar durchaus eine für beide Seiten ersprießliche, und gewissermaßen globalisierte, Kooperation vorstellen, aber das haben die Autoren gewiss nicht gemeint.

Kooperation sei, laut Zeit, möglich und müsse durch geeignete Institutionen geschützt werden, damit sie nicht scheitern könne. Aha, die Herdentiere können es alleine nicht! Aber, wieder laut Zeit, sind wir „gerade heute nicht in der Lage, diese Institutionen zu etablieren“. Die Erfahrungen, nicht nur lokal oder im nationalen Massstab aufeinander angewiesen zu sein und eine globale Risikogemeinschaft darzustellen, seien menschheitsgeschichtlich noch ziemlich neu und es gebe eine sozialwissenschaftliche Theorie der Weltgesellschaft erst in Ansätzen.

Die Menschen müssten lernen, „ihr evolutionäres Erfolgsprogramm als kooperationsfähige Wesen auf die Weltgesellschaft zu übertragen, bevor es zu globalen Systemkrisen kommt“. Wegen der Machtverschiebung weg von den „alten“ Mächten (G 7, Nato) zu den "neuen" Mächten (G 20) stehen die zentralen Bedingungen für erfolgreiche Kooperation leider unter Stress, wie die Zeit hellsichtig feststellt. Die gemeinsamen Regelwerke und Lernprozesse müssten unter Zeitdruck erst aufgebaut werden.

Gelernt und aufgebaut mit Hilfe von Entwicklungsinstitutionen? Aufgebaut auf der Grundlage sozialwissenschaftlicher Forschung über eine Theorie der Weltgesellschaft? Finanziert von wem?


Merke: 

Nicht die Globalisierung überfordert uns, sondern wir überfordern die Globalisierung.


Häuptling Seattle belehrt uns: 

„Erst wenn ihr den letzten EURO rausgeschmissen habt, werdet ihr merken, dass man D-Mark nicht essen kann.“